Kantine Kohlmann; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Restaurant & Bar - "Kantine Kohlmann"

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Die Gegend um das Schlesische Tor hat sich zu einer Spaßmeile entwickelt, in der tags und nachts Kioske und Imbisse unkompliziertes Essen anbieten. Dennoch gibt es dort auch ambitioniertere Restaurants wie die Kantine Kohlmann. Ihre moderne Interpretation deutscher Küche überzeugt allerdings viel mehr in der "Happen"-Portion, als auf den größeren Tellern …

Der Name "Kantine" soll vielleicht zögerliche Kunden dazu bewegen, das Lokal zu betreten, klingt aber nach gewolltem Understatement. Denn: Selbst wenn dieses von außen, bei den ganzen Graffitis an der Wand, wie eine typische Kreuzberger Szenenkneipe à la "Herr Lehmann" aussehen mag, hat es mit Kantinen im gängigen Sinne wenig zu tun. Der sehr warm und geschmacksvoll eingerichteter Raum lädt dazu ein, sich länger aufzuhalten, ebenso wie der freundliche und zugewandte Service. Spätestens ein Blick auf die Speisen- und Weinkarte macht klar, dass es sich keinesfalls um Kantinenpreise handelt!

Mut zur kleinen Karte

Der Name "Kohlmann" scheint keinem der Betreiber zuzuordnen zu sein, und steht möglicherweise für die deutsche Küche, die dieses Lokal modern interpretieren möchte, vor allem in Form von kleinen Portionen. Diese heißen hier nicht Tapas, sondern "Happen".

Dazu gibt es aber auch vier normale Hauptgerichte und zwei Desserts. Eine sehr kleine Karte, also, die meistens für Qualität und frische Zubereitung steht. Diese Erwartung haben die Gerichte, die wir bestellt haben, durchaus erfüllt, vor allem die sogenannten Happen. Die sind übrigens gar nicht so klein: eher Vorspeiseportionen, von denen drei jedenfalls ein Hauptgericht ersetzen könnten.

Hervorragend waren die frittierten Sardinen auf hauchdünnen, marinierten Zucchinischeiben mit Paprikawürfeln und Rauchschaum: Eine gelungene Kombination, die eher mediterran als deutsch anmutete und die ich gerne auch in der XL-Version bestellt hätte! Scharfe Bratkartoffeln gab es auch, dazu eine grüne Mayonnaise mit Jalapeno-Chilis, mit einem Hauch Schärfe, und als dritten Happen Schweinebauch, sehr mager und gut gegrillt, mit grünen und runden Bohnen in einem leichten Joghurtschaum mit vielerlei Geschmackstupfern.

Lieber Happen als Hauptgericht

Nach diesen drei Volltreffern hätten wir gerne alle restliche "Happen" aus der Karte probiert, hatten aber leider schon zwei Hauptgerichte bestellt. Diese waren zwar annehmbar, aber längst nicht so ansprechend wie die Miniportionen.

Das Wiener Schnitzel war etwas zu trocken geraten, der Kartoffelsalat mit Kapern dazu war gut, aber nichts Ungewöhnliches. Das Saiblingfilet auf Fenchel- und Selleriebett mit Schwarzbrotkrokant und Leinsamen im eigenen Öl war dagegen etwas fade. Man hat sich zwar hier bemüht, mit verschiedenen Texturen das Gericht interessanter zu machen, aber es blieb irgendwie vom Geschmack her blass, zu cremig und schwer, der Fisch dabei etwas zu lange gebraten.

Bei den relativ gehobenen Preisen, das Wiener Schnitzel 21,50 Euro, der Saibling 24,00 Euro, wäre es sicherlich spannender gewesen, mehrere von den sogenannten Happen zu bestellen: Bei denen scheint die Kreativität der Köche viel besser zur Geltung zu kommen.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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