"Restaurant Schoenbrunn am Schwanenteich im Volkspark Friedrichshain"; © Restaurant Schoenbrunn
Bild: Restaurant Schoenbrunn

Am Schwanenteich im Volkspark Friedrichshain - Restaurant Schoenbrunn | Restaurant – Biergarten – Kiosk

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Von "besser als in Italien" bis zu "Fake in Reinkultur": eine Restaurantkritik von Thomas Platt.

Dass Fakten auch Alternativen haben können, die genauso konkret sind und womöglich mehr Aufmerksamkeit verdienen als die Tatsachen selbst, dürfte ein Konzept sein, dass bei so etwas Handfesten wie der täglichen Ernährung nicht greift. Selbst Leute, die dem Wirken von geisterhaften Vorgängen hinter der sichtbaren Welt das Wort reden, sind bei der Einvernahme des täglichen Brots bemerkenswert realistisch. Trotzdem gibt es längst schon so etwas wie Fake Food. Es handelt sich dabei um einen entfernten Verwandten der getürkten Nachrichten und hat mit echten Speisen in erster Linie das Aussehen gemeinsam. Ein Restaurant in einem historischen Pavillon-Ensemble im Volkspark Friedrichshain scheint auf diesem Gebiet ein gutes Stück vorangekommen.

Gekochtes Design

Auf der großen Terrasse schimmert die Kraftbrühe vom Freilandhuhn golden in der Mittagssonne. Mit dem ersten Löffel erlebt man auch einen klassischen Bouillongeschmack, nicht zu dicht, beileibe nicht leer. Auch der Look der Kräuterflädle, die zu Schnecken gerollt aus der leicht trüben Flüssigkeit lugen, versprechen einen vertrauten Genuss. Während die Brühe zum Rind tendiert, ist die Einlage in erster Linie klebrig-mehlig – vermutlich ließ man die Pfannkuchen nicht über Nacht erkalten – und vermag auch nicht mit Kräutern zu punkten (welche überhaupt?). Das Steirische Backhendl dagegen verzichtet auf einen traditionellen Anblick, weil der ganze Teller eher als gekochtes Design zu verstehen ist. Womöglich als Huldigung an das Wertvolle (11,50 Euro).

Die faden Fleischstücke sind in asiatisches Pankomehl eingepummelt und wurden hin zu einer dunkelbraunen Farbe frittiert, die einen Kontrast bildet zur helleren Farbe des Erdäpfel-Radieserl-Salats (die Dialektschreibung auf der Karte ist ein zusätzliches Kontrastmittel) und der extra für diesen Anlass gelb gefärbten Zitronenmayonnaise. Salatblätter und rote Dressingtupfen runden das wie einem asiatischen Restaurant entstammende Essobjekt auf seinem schmalen Porzellanoval ab. Auch wenn er in dieser gestalterischen Überformung unterzugehen droht, deutet der Kartoffelsalat an, dass er aus dem üblichen (im Unterschied zu München und Wien eklatanten) Kartoffelsalatdesaster der Stadt hervorragen könnte.

"Restaurant Schoenbrunn am Schwanenteich im Volkspark Friedrichshain"; © Restaurant Schoenbrunn
Bild: Restaurant Schoenbrunn

Skulptural vor kulinarisch

Das auf der Haut gebratene Saiblingsfilet (21 Euro) bedarf einer gewissen Festigkeit, um skulpturalen Ansprüchen zu genügen, die hier eindeutig vor kulinarischen rangieren. Deshalb hat es der Koch wohl schon beizeiten vorgebraten und kurz vor dem Servieren noch einmal reanimiert. Die Weißweinsauce ähnelt einer geronnenen Beurre blanc und könnte auch als Memento mori aufgefasst werden. Einzig die Grießtaler überraschen in diesem Kontext: Sie sind fluffig und schmecken. Das gilt auch für die simplen Südtiroler Spinatknödel mit ein paar Parmesanhobeln und grüner Garnitur. Lediglich die Nussbutter wirkt überhitzt.

Noch ein Stück weiter von einer Entsprechung in der Wirklichkeit entfernt kann einem das Wiener Schnitzel (19,50 Euro) vorkommen. Die Optik ist perfekt, selbst Preiselbeeren – eine Berliner Innovation – und die klassische Garnitur aus Kaper und Sardelle fehlen nicht. Die sich im Mund erschließende Substanz kann man indessen als Fake in Reinkultur bezeichnen – insbesondere das Kalb hat sich vor seinem letzten Gang offenbar auf dem Weg zum Rind befunden. Dem begleitenden Gurkensalat fehlt der entscheidende Dressing-Akzent.

Fakenah

Auch das zum Zitruseis mutierte Topfeneis (7 Euro) mit Butterbrösel, Mandelkrokant, Aprikosenschnitzen und neckischer Fruchtdeko gehört in diese Kategorie. Insgesamt ist es erstaunlich, wie man wenig Substanz mit einem Anblick kombinieren kann, der ganz andere aromatische Erwartungen weckt. Fakenah ist auch der Service. Allerdings gilt das nur bezogen auf die ganze Stadt. Denn verglichen mit der allzuoft achtlosen, gerne auch einmal ruppigen Vorgehensweise Berliner Servierleute ist die junge Bedienung freundlich, flink und charmant.

Wenn das Zentrum schwächelt, schlägt die Stunde der Peripherie. Im Biergarten, in dessen Schranken jeder sein eigener Kellner ist, gibt es eine würzige Bio-Bratwurst (2,90 Euro), eine ebenfalls charaktervolle Merguez und eine etwas trockene Rindswurst, die aber immer noch um einiges besser ist als jene Würste, die man üblicherweise an derartigen Ausflugszielen angeboten bekommt. Das gilt fast noch mehr für die Pizzen, die den mediterranen Part in akustischer Schwimmbadkulisse sehr solide erfüllen. Besser als in in Italien ist die dort übliche Bierbegleitung: Der Halbe Augustiner hell zu 3,50 Euro.

Thomas Platt, kulturradio  

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