Restaurant Bruderherz
Bild: Anna Nesterenko

Italienisches Restaurant - "Bruderherz"

Bewertung:

Zwei junge Berliner mit polnischen Wurzeln betreiben ein Ristorante, das einen deutschen Namen trägt. Was zunächst verwirrend klingt, ist beim Charlottenburger Amtsgerichtsplatz greifbar – und überzeugend.

Man könnte auch sagen, im Restaurant Bruderherz wird die italienische Küche noch einmal erfunden. Diesmal jedoch nicht – wie beim sogenannten Eckitaliener – als Anbiederung an deutsche Gaumen. Vielmehr versteht es Chefkoch Tomek Sokolowski, klassischen Rezepten aus dem Land der Zitronen etwas vom spezifisch deutschen Verständnis der Nouvelle Cuisine mitzugeben und ihnen hier und da auch ein Gewicht und Volumen zu geben, das Vor- und Zwischengerichte in den Rang von Hauptspeisen erhebt. Im Süden würde das auf wenig Verständnis stoßen.

Restaurant Bruderherz; © Bruderherz
Bild: Bruderherz

Ironie und Süßliches

Wie gleich an den gebratenen Jacobsmuscheln mit Erbsen-Minz-Crème zu sehen, wird ein erheblicher Aufwand getrieben, dem mit 15 Euro ein verhältnismäßig kleiner Preis entgegensteht. Zur Idee, Basilikum durch Minzfrische zu ersetzen, treten noch eine sahnige Burrata, ein Sepiachip, der jedoch nur Salz kommentiert und vielleicht zu wenig crispy ist, sowie ein Minzschaum.

Nicht nur die Balsamico-Streifen, die man als ironische Anmerkung zur gehobenen Küche in den Achtzigerjahren verstehen kann, sondern auch das Rote-Bete-Mus, Bete-Strähnen und Ziegenkäsehobel über Kartoffelgnocchi heben sich von gewöhnlicher italienischer Küche ab – zumal Sokolowski einem deutlichen Hang zum Süßlichen nachgibt (14 Euro).

In Gestalt von Kürbis bildet das liebliche Element eine Brücke zwischen den festen Pappardelle (Pasta und Gnocchi werden unter Verwendung von sardischem Biomehl und Eidotter im Hause gefertigt) und einem zarten Ossobuco-Ragout. Bei den ebenfalls mild angelegten Ravioli mit Steinpilzfüllung in Salbeibutter ist die Süße nur symbolisch vertreten: durch eine Handvoll Johannisbeeren (14 Euro).

Ein Auflauf wie ein Chor

Auffällig an diesem Kontext ist die Lasagne Bolognese (13 Euro), vor allem deshalb, weil sie als Klassiker gestaltet, ja fast schon stilisiert wird. Sie erinnert noch an die ehemalige Premium-Pasta-Manufaktur "Mani di Fata" von Mariella Gatta ein paar Häuser weiter. Dort und auch während eines zweijährigen Sizilienaufenthalts hat der aus der Nähe von Danzig stammende Koch entscheidende Anstöße erfahren.

Grundzutaten wie Hackfleisch, Tomate, Mozzarella, Parmesan, Gemüse und Zwiebel sowie – oft wird das gar nicht deutlich – Nudelteig sind in diesem gratinierten Auflauf wie Stimmen zu einem Chor vereinigt, dessen Zusammenhalt von einer wohl dosierten Sauce Béchamel bewirkt wird. Hier kommt die traditionelle Italiantità voll zum Zug: das Besondere im Gewöhnlichen und das Gewöhnliche im Besonderen.

Ebenfalls eine Besonderheit in Berlin: der Einklang mit dem Publikum. Ihn stellen die Serviererin Anja und natürlich Micha Sokolowski her, dessen Charme den Namen dieses unaufgeregten Ausnahmerestaurants erklärt.

Thomas Platt, kulturradio  

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