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Japanisches Restaurant - "King King Sushi"

Bewertung:

Inzwischen haben sich in vielen Sushi-Restaurants die Gewichte deutlich in Richtung Kohlehydrate verschoben. So auch im "King King Sushi" in Berlin-Mitte. Unser Restaurantkritiker Thomas Platt hat einige Gerichte probiert.

Bei manchen Speisen zeigt erst ihre Profanierung an, was für großartige Inventionen sie sind. Um ein Beispiel zu geben: Vermutlich hat erst die Behandlung des Wiener Schnitzels in der Kantine zu Bewusstsein gebracht, was für eine hervorragende kulinarische und auch technologische Erfindung es gewesen ist, zartes Fleisch unter unter einer festen Schicht aus Semmelbröseln zu soufflieren; den Wiederaufstieg des verbroteten Kalbskoteletts bis hinein in die höchsten Kreise hat es gewiss begünstigt.

Japanisches Fast Food

Vergleichbares läßt sich auch vom Sushi sagen. Frischem Fisch, annähernd im Fangzustand, mit einem Reisrand so etwas wie eine essbare Serviette beizugeben, ist eine einfache, aber großartige Idee. Das zarte Aroma bildet sich auf nämlich einer Art Leinwand aus poliertem Getreide besonders wirkungsvoll ab.

Inzwischen jedoch haben sich vielerorts die Gewichte deutlich in Richtung Kohlehydrate verschoben. Wie dem auch sei: Immerhin handelt es sich bei diesem japanischen Fast food um eine Vorform, eine kaum gegarte Version dessen, was auch in vielen anderen asiatischen Restaurants eine Rolle spielt und im Restaurant King King pünktlich anzutreffen ist: das Tempura.

Über dem Durchschnitt

Dort werden Garnelen und Avocado genauso vorzüglich Teig frittiert wie die Wan Tan-Taschen mit Rindfleischfüllung nebst der Verlegenheitszutat Erdnuss sowie die vielleicht doch zu hüllenlastigen, dafür aber ultraknuspigen Spring Rolls. Sie wappnen jetzt im Herbst für den Winter. Das gilt auch für die üppigen Spieße mit Hühnerbrust, zu deren Begleitung die Erdnuss in Form von Butter einen sinnvollen Beitrag leistet.

Letztlich jedoch ist hauptsächliche Kommensgrund, das Sushi nichts anderes als kalter Fisch in einem mehr oder minder losen Teigmantel. Was beim Tempura (dem Bierteig unserer Breiten verwandt) Mehl und Ei leisten, bleibt hier bei der weißen Einfassung (die gerne einmal in Richtung Getreide ausufert, während sich die Filets diskret zurückziehen) ganz dem Rundkornreis und einer Prise Zucker überlassen. Weidlich zusammengepresst, leicht gesäuert und mit Sesamsaat akzentuiert, garantieren sie nicht nur den Zusammenhalt, sondern liefern auch noch ein geschmackliches Milieu, das dem Genuss roher Fischstreifen förderlich ist. Im King King, um das klar zu sagen, befindet man sich über dem Durchschnitt. Denn der Kern aus Fisch erfährt eine Betonung.

Reis-Rohfisch-Kombination

Im etwas karg und streng, aber keineswegs abweisend eingerichteten Restaurant in Sichtweite der Volksbühne, in dessen Atemluft die feine Nase Bambus, Durian und den typischen Duft, der elektrischen Reiskochern entweicht, rasch auszumachen versteht, erzeugt bereits der Blick in die Kühltheke an der Schmalseite der geschwungenen Bar einiges Vertrauen. Dort liegen diverse Filets, voran Thunfisch und Lachs. Ihr Anblick signalisiert sofort Frische und Qualität.

Beides wird nicht nur bestätigt von diversen Rolls, die Einsteiger mit einer Form der Beköstigung bekannt machen, die sich vielleicht am ehesten mit unsrem Butterbrot vergleichen lässt, sondern auch und gerade vom Sashimi. Es handelt sich dabei um die reinere Form der japanischen Reis-Rohfisch-Kombination.

Ins Brave spielende Harmonie

Das Lachs-Tuna-Sashimi bietet mehr als das landläufig-übliche. Serviert wird eine opulente Platte, auf der Lachstranchen neben einer Rose aus tizianrotem Thun sortiert sind, daneben relativ wenig gesäuerte Ingwerhobel, Avocado, Spaghetti aus Rettich sowie ein herzhafter Seetangsalat. Die aus Balsamico- und Mayonnaise gedrechselte Zierde übersieht der Kenner erst einmal, registriert sie aber als eine unnötige Verbeugung vor dem Zeitgeist.

Geschmack, Konsistenz und Temperatur greifen ziemlich gut ineinander, die grüne Meerrettichpaste stört kaum. Diese ins Brave spielende Harmonie scheint sich auf das gesamte Geschehen in ein Lokal zu übertragen, das sich mitten in Mitte befindet, aber dennoch nicht inmitten.

Thomas Platt, kulturradio  

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