Weihnachten im Gefängnis Kartoffelsalat (Quelle: dpa)
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Geschmackssache - Der Heiligabend-Klassiker: Kartoffelsalat

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Dass am Heiligabend in Deutschland ausgerechnet ein eher bescheidenes Gericht wie Kartoffelsalat auf den Tisch kommt, darüber wundern sich oft Menschen aus anderen Ländern. Dabei kann auch dieses Alltagsgericht zur Delikatesse werden.

"Dass das Christkind trotzdem vorbeikommt, obwohl es so was Einfaches zu essen gibt: das spricht wirklich für ihn." Das habe ich gedacht, als ich bei meinem ersten Heiligabend in Deutschland Kartoffelsalat auf den Tisch sah. Es überraschte mich einfach, dass beim ganzen Aufwand, der rund um Weihnachten betrieben wird, vor allem, wenn Kinder dabei sind - mit Baumschmücken, Weihnachtsmannbesuch, Bescherung und so weiter - , ausgerechnet das Essen so kurz kam. Allerdings gab es dazu verschiedene Sorten Wurst, Kassler und Sauerkraut. Also leicht und spartanisch war es dennoch nicht, aber es kam mir zu normal vor, um als Festessen zu gelten.

Die Geschichte des Kartoffelsalats

In Italien ist das Heiligabendessen traditionell auch fleischlos. Früher war bei allen christlichen Ländern in den Wochen vor Weihnachten eine kurze Fastenzeit vorgesehen, um sich in die Armut Marias und Josef hineinzuversetzen: daher vielleicht auch die Tradition des Kartoffelsalats hierzulande. Fleischlos am Heiligabend bedeutet – vor allem in Süditalien - traditionelle Fischgerichte wie Aal sowie auch moderne Fischmenüs mit vielen Gängen. Oft sind diese sehr aufwendig, so dass das Abendessen spät anfängt und oft bis Mitternacht dauert.

Ein Essen wie Kartoffelsalat ist natürlich viel praktischer, zumal es auch am Vortag zubereitet werden kann. Das wird vielleicht der Grund sein, weswegen sich dieses einfache Gericht ausgerechnet als Heiligabendklassiker etabliert hat. Deutschland hat auch Phasen erlebt, in denen die Menschen sehr wenig Geld hatten: zu wenig, um sowohl am Heiligabend als auch am 1. Weihnachtstag festlich zu essen. Kartoffeln waren nicht teuer, und Kartoffelsalat mit Würsten war zumindest reichhaltig und sättigend. Aber selbst in reichen Familien war Kartoffelsalat am 24. üblich, da die Dienstmädchen an dem Tag frei bekamen.

Kartoffelsalat, Foto: Colourbox
Kartoffelsalat | Bild: Colourbox

Kartoffelsalat ist eine Wissenschaft

Kurios ist allerdings, dass noch heute, obwohl die Menschen in Sachen Essen viel mehr Auswahl haben, an dieser Tradition festhalten. Sogar Fernsehkoch Tim Mälzer sagte neulich, bei ihm gäbe es zu Heiligabend Kartoffelsalat und Würstchen. Dieser Treue verdanken wir, dass sich im Laufe der Zeit unheimlich viele verschiedene Rezepte für Kartoffelsalat entwickelt haben: regionale Varianten, so wie der Schwäbische oder der Österreichische, - mit Essig, Öl und Fleischbrühe und etwas Senf - , mit Zwiebeln oder mit Schnittlauch, wie in Franken, der Norddeutsche mit Mayonnaise-Dressing oder der Berliner mit Gewürzgurken und Apfelstücken.

Man sagt oft, in Deutschland gäbe es zu wenige Regionalrezepte, die noch für unsere heutige Zeit taugen, aber das Beispiel des Kartoffelsalats widerspricht dem. Jede Region und sogar jede Familie hat ihr besonderes Rezept, mit den ganzen Tricks dazu: welche Kartoffeln, - festkochende und nur ein paar mehlig kochende dazu, damit die Sauce sämiger wird  -, ob am Tage davor gekocht, damit die Kartoffeln fester sind, ob warm angerichtet, damit sie die Marinade besser aufnehmen, usw. Der Kartoffelsalat ist nicht nur Kultur, sondern auch eine Wissenschaft für sich.

Je nach Verfügbarkeit und Budget

Ob man diesem Gericht als Festessen was abgewinnen kann, das ist eine andere Frage. Wer mit den regionalen Rezepten unzufrieden ist, kann versuchen, festlichere Varianten zu entwickeln. Lauwarmer Kartoffelsalat mit Fenchel, Seeteufel- Würfeln und spanischem schwarzem Knoblauch würde keine schlechte Figur machen, ebenso wie - auch lauwarmer - Kartoffelsalat mit gedünstetem Lauch und Trüffel, weißem oder schwarzem, je nach Verfügbarkeit und Budget.   

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

DIE REZEPTE

Für 4 Personen

Lauwarmer Kartoffelsalat mit Fenchel, Seeteufel-Würfeln und spanischem schwarzem Knoblauch

4 mittlere Seeteufel-Koteletts
Etwas Weißmehl
Etwas Butter
1 normale Knoblauchzehe
2 EL Weißwein
1 Kg kleine festkochende Kartoffeln (z.B. Bio-Linda)
½ Schalotte
2 kleine Fenchelknollen mit Fenchelgrün
Geriebene Zitronenschale
5-6 Knoblauchzehen (schwarzer Knoblauch)
Olivenöl
Zitronensaft
Salz

 

Kartoffeln im Salzwasser kochen, schälen und warm stellen, so dass sie nur leicht abkühlen. Fenchelknollen waschen, oberen Enden mit Fenchelgrün abschneiden, ebenso wie den harten Strunkansatz unten, in Viertel und dann in Achtel schneiden. In eine Pfanne fein gehackte Schalotte in Olivenöl glasig andünsten, Fenchelspalten in die Pfanne geben, salzen und bei kleiner Flamme zugedeckt mit andünsten. Bei Bedarf etwas Wasser dazu geben, Nach ca. 10 Minuten Fenchelscheiben wenden, dann noch 5 Minuten andünsten, gegen Ende gerieben Zitronenschale dazu geben, gut vermischen, mit Salz abschmecken und warm stellen.

Kartoffeln in Stücke schneiden und in eine Schussel geben. Mit Olivenöl, Salz, etwas Zitronensaft und dem Fenchel-Bratsaft abschmecken und gut vermischen. Kartoffelsalat auf einen vorgewärmten Servierteller verteilen, Fenchelscheiben darüber verteilen und nochmals warm stellen.

Seeteufelkoteletts in dicke Würfel schneiden (Knochen können für einen Fond verwendet werden) und im Weißmehl wenden. In einer Pfanne Butter und etwas Olivenöl erhitzen. Fischwürfel darin ca. 4-5 Minuten anbraten, dabei wenden. Mit Weißwein ablöschen und mit Salz abschmecken. Eine normale Knoblauchzehe (in Scheiben geschnitten) dazu geben und noch einigen Minuten bei kleinster Hitze garen lassen. Dann Fischwürfel auf dem Kartoffelsalat anrichten, mit fein geschnittenem schwarzem Knoblauch bestreuen und mit Fenchelgrün dekorieren.


Lauwarmer Kartoffelsalat mit gedünstetem Lauch und Trüffel

1 Kg kleine festkochende Kartoffeln (z.B. Bio-Linda)
½ Glas Marsala-Wein
Geriebene Zitronenschale
Zitronensaft
3-4 Lauchstangen
Olivenöl
Salz

 

Kartoffeln im Salzwasser kochen, schälen und warm stellen, so dass sie nur leicht abkühlen. Lauchstangen waschen, unterem Ende abschneiden, das Grüne für eine Suppe aufbewahren, das hellere in ca. 3 cm große Ringe Schneiden. Olivenöl in eine Pfanne geben, Lauch darin bei kleiner Flamme und zugedeckt andünsten, ab und zu mit einem Holzlöffel rühren, mit Salz abschmecken. Wenn das Gemüse weich sind, nochmals mit Salz abschmecken und warm stellen.   

Kartoffeln in Stücke schneiden und mit dem Lauch in eine Schussel geben. Gut vermischen und  mit Olivenöl, Salz, etwas Zitronensaft, geriebener Zitronenschale  und 2 EL Marsalawein abschmecken und gut vermischen. Trüffeln mit einer Zahnbürste von Erde befreien. Kartoffel-Lauch-Salat auf einen vorgewärmten Servierteller anrichten, Trüffel direkt über den Teller hobeln. Sofort servieren.

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