Restaurantkritik - Furusato

Bewertung:

Koreanisches Gasthaus für Menschen, die das Einfache im Unkomplizierten suchen, dazu noch kleine Preise und üppige Portionen. Leute mit Lebensmittelhumor kommen auf ihre Kosten.

Bibimbab, Kimchi und vielleicht noch Bulgogi kennen versierte Großstädter inzwischen. Sie können die Gerichte auch ihrer Heimat Korea zuordnen. Aber was ist mit Bossam, Mul Naengmyeon oder Sundubu Jjigae? Bei letzterem handelt es sich um eine Art Eintopf mit Seidentofu, während bei den anderen beiden Schweinebauch beziehungsweise Buchweizennudeln im Mittelpunkt stehen. Die geringe Popularität der koreanischen Küche hat Folgen. Das Unwissen ermöglicht erst, dass Restaurants als koreanisch firmieren, deren Küche nicht besonders viel mit dem Ursprungsland zu tun hat. Man kann ruhig auch von Karikaturen sprechen.

Korea second hand

Immerhin stammt die Inhaberin Hwan Nam-Koong von dort. Oder sollte man in diesem Fall nicht besser Wirtin sagen? Schließlich besitzt das überwiegend in hellen Farben gehaltene Ambiente, das mit seinen getünchten Strukturtapeten, der in die Jahre gekommenen Schallschutz und vor allem der langen Theke noch an den Vorbesitzer erinnert, durchaus etwas Altvertrautes und Kneipenhaftes.

Jene paar Zitate aus Fernost — etwa ein Behältnismöbel aus Bambus, das Bildnis eines Kitschkranichs auf schwarzem Grund, Landschaftsaquarelle als Thekenzier und geflochtene Matten auf den Tischen — wirken so, als hätte sich da jemand ein imaginäres Korea second hand zusammengesucht.

Kanten im aromatischen Sinn gibt es keine

Wie aus zweiter Hand scheint auch der Lauch in der sehr würzigen, von Knoblauch regierten Scharfen Rindfleischsuppe, die dampfend heiss auf den Tisch kommt. Zum Glück enthält es kaum Fleisch; das wenige, das in der roten Tunke schwimmt, weist die Typik des aus dem Frostschlaf erweckten auf.

Ebenfalls reanimiert wurde Yakitori, der kleine Ausflug nach Japan. Die Spieße von der Hähnchenkeule sind vermutlich schon am Mittag vorgebraten und dann bloß wieder auf Hitze gebracht worden. Dass sie immer noch recht saftig sind, verdanken sie der Belastbarkeit des verwendeten Huhns.

Ein lieblicher Soyalack verbreitet den Glanz des frisch Zubereiteten. Ungewöhnlich zart und vollmundig dann Saewo Mandu, koreanische Maultaschen. Die mit Garnelen und etwas Gemüse gefüllten Halbmonde wurden in der Pfanne angeröstet, so dass der dünne Teig leicht mürbe geworden ist und ausgezeichnet mit der Füllung sowie dem leicht säuerlichen Ponzu-Sesam-Dip harmoniert.

Im Veggie-Bibimbap, einer Art Bowl mit Sesamöl  und Ingwer oder asiatische Paella mit Spiegelei obenauf werden die wenigen Gemüse versammelt, über die das Haus verfügt, Weisskohl, Möhre, Seetang und einem Lauch, dem der Frühling abhanden gekommen ist.

Immerhin aber werden fünf Schälchen mit sauer Mariniertem dazu gestellt, unter denen die Möhrenstreifen und ein nicht unmenschlich scharfes Kimchi. Während in diesem fermentierten Kohl der Knoblauch gezügelt erscheint, spielt er im Tang Suk Yon seine ganze Wirkmacht aus.

Aber vor allem ist das doppelt gebackene (man könnte auch sagen: mehrfach panierte und frittierte) Schweinefleisch ist davon bis in den letzten Winkel durchdrungen. Dass es ordentlich Ecken gibt, hängt an den vielen Ananasstücken, Gemüsezwiebel- und Paprikarauten, die auf der Karte putzigerweise "bunt" genannt werden. Kanten im aromatischen Sinn gibt es keine, denn dafür ist die Rolle des Zuckers zu ausgeprägt in dieser Variante des beliebten Schweinefleischs süßsauer. 

Für Menschen mit Lebensmittelhumor

Trotz allen Einwänden dürfte das verglichen mit den vielen Asiaten auf der nahen Kantstraße urgemütliche Gasthaus etwas für Menschen sein, die das Einfache im Unkomplizierten suchen, dazu noch kleine Preise und üppige Portionen. Und natürlich Leute mit Lebensmittelhumor kommen auf ihre Kosten.

Thomas Platt, kulturradio  

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