Restaurant Palsta, Beispiel; © Elisabetta Gaddoni
Bild: Elisabetta Gaddoni

Restaurantkritik - Palsta Wine Bar

Bewertung:

Spätestens seitdem das "Noma" in Kopenhagen zur Nr. 1 unter den Restaurants der Welt gekürt wurde, ist die Neue Nordische Küche in aller Munde. Dennoch gibt es in Berlin nicht viele Adressen, die wie das "Palsta" kulinarisch nach Skandinavien schauen.

Die "Palsta Wine Bar" in der Neuköllner Oderstraße bietet kleine Gerichte an, die vor allem wegen der Qualität von Fisch und Meeresfrüchten überzeugen. "Palsta" ist das finnische Wort für "Schrebergarten". Gemeint sind damit wahrscheinlich die Natürlichkeit und Frische der Zutaten, die in der Küche verwendet werden. Die Bezeichnung passt aber auch zur Größe der Räumlichkeiten, in denen das hippe junge Publikum von Neukölln eng an serviettengroßen Tischchen sitzt.

Aus Finnland kommt die Inhaberin, aus Dänemark der Koch, der früher im mittlerweile geschlossenen "dóttir" am Herd stand, damals die Adresse für nordische Küche in Berlin. Auf der Karte stehen hauptsächlich kleine und mittlere Vorspeisen, dazu zwei Hauptgerichte und ein Dessert. Da sie gedacht sind, geteilt zu werden, werden zu den Gerichten jeweils zwei kleine Teller gebracht. Die Größe des Tisches erfordert ein gewisses Geschick, um mit Tellern, Schälchen, Wasser- und Weingläsern zu hantieren, ohne etwas umzukippen.

Mal köstlich, mal nichtssagend

Zu den knackigen Pickles, die wir als Appetizer bestellt hatten, gab es aufgeschäumte Butter und sehr gutes Brot der Neuköllner "Bread Station". Es folgten vier im Mantel frittierte, viel zu weiche und ölige Sardinen, begleitet von einem frischen und leicht scharfen Joghurtdressing. Dazu gab es einen nichtssagenden Gurkensalat: Gurke hauchdünn geschnitten und fast naturbelassen.

Der gegrillte Blumenkohl, der dann auf den Tisch kam, mit Pilzvinaigrette, Nordseekäse und Grünkohl serviert, war mit seinen feinen, durch geröstete Schwarzbrot- oder Pumpernickelkrümel verstärkten Röstaromen sehr ansprechend. Die fast noch rohen Grünkohlblätter dazu taugten wiederum fast nur als Deko.

Zum Glück waren die letzten beiden Gerichte überzeugender. Das Garnelentatar mit Mayonnaise, Radieschen, Gurkenkugeln und Buttermilch-Dill-Sauce war zwar sehr mild, ohne große geschmackliche Akzente. Aber man erkannte wenigstens die Qualität der verwendeten Meeresfrüchte.

Auch beim Hauptgericht war der Fisch von hervorragender Qualität: schneezarter Rotbarsch, gelierend gegart, mit einem aparten Sud aus Miesmuscheln, dazu geriebener Knollensellerie sowie die salzigen und sauren Akzente von Essigkapern und Salicorne-Algen. Eine gelungene Komposition und geschmacklich ein Highlight.

Wein mit Eigenleben

Bei den Getränken liegt der Schwerpunkt auf den sehr modischen Naturweinen. Das sind Weine, die noch natürlicher hergestellt werden als Bio-Weine, ohne Zusätze wie Zuchthefen und Enzymen und ohne aufwendige önologische Verfahren. Schmecken, wie Wein sich ohne ‚Styling‘ entwickelt, kann natürlich interessant sein – sofern die Weine auch trinkbar sind.

Ich bin mit dem Wein meines Vaters aufgewachsen, der unabsichtlich Naturwein war. Und obwohl mich manches heute daran erinnert, weiß ich, dass Naturweine auch sehr gut schmecken können – was beim hohen Preis auch angemessen wäre. Nur: Von den vier Weinen, die wir im "Palsta" probiert haben, war gerade einer gut. Die anderen schmeckten einfach zu schräg – nach vergorenem Cidre oder nach Rauchkäse.

Ob man dem etwas abgewinnen kann oder nicht, darüber könnte man sich bei einer thematischen Verkostung unterhalten. Zur Begleitung von milden Speisen eignen sich solche Weine jedenfalls nicht.

Elisabetta Gaddoni, kulturradio  

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