Hummus-Teller im Restaurant
Bild: kanaan-berlin.de

Restaurantkritik - Kanaan

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Diese israelisch-palästinensische Gründung ist ein originelles Tapas-Bistro, das zum Beispiel mit dem dicht gewobenen "Irakischen Hummus Sabich" mit gegrillter Aubergine und Mangodip über den Tellerrand hinausblickt. 

Es gab eine Zeit, in der sich das wichtigste kulinarische Gesprächsthema eine unscheinbare Schnellspeise war, die man als warme Speise zum kalten Krieg bezeichnen könnte: die Currywurst. An welchem Ort es die beste gäbe, wurde einem auch ungefragt mitgeteilt. Mit der Gründung der sogenannten Berliner Republik verlagerten sich die Konversationen auf das Wiener Schnitzel. Auch hier ging es um die besten Exemplare, wobei originale Machart (die keiner genau kennt) und Größe entscheidende Kriterien waren. Inzwischen beherrscht eine Speise aus der Levante die gastronomische Szenerie. Die Suche nach dem besten Hummus dürfte ein Indiz dafür sein, wie beliebt orientalische Küche, namentlich die israelische in Berlin längst geworden ist. Zahlreiche Gründungen unterstreichen dies.

Improvisierte Postmoderne

Zu ihnen gehört ein vegetarisches Restaurant, das einen ziemlich kuriosen Ort als Sitz gewählt hat. Situiert ist es in einem Pavillon oder Bungalow mit Sandgarten, der einigen Bierbänken und Getränkekisten als Heimstatt dient, und einem waggonartigen Anbau auf Wildwuchsterrain, die zusammen eine Straßenecke in Beschlag nehmen.

Drinnen setzt sich der erste Eindruck fort. Nüchtern-funktionale Kronleuchter aus der Designkultur des zweiten deutschen Staatsversuchs in Konfrontation mit nackten Pressholzplatten, Kunststoffpflanzen, dem Porzellan vom Berliner Fernsehturm sowie weiss lackierten Bistrotstühlen scheinen einer improvisierten Postmoderne zu huldigen, die sich mit dem berühmten Augenzwinkern präsentiert. Aufsteller mit Kanaan-Werbepostern fügen einen Hauch Grüne Woche hinzu.

Dieser Kichererbsenbrei gehört zu den Top Ten der Stadt

Tatsächlich kann der Kichererbsenbrei mit Tahin und Olivenöl (Sellas Olive Oil aus Griechenland) den Anspruch erheben, zu den Top Ten der Stadt zu gehören. Hier tritt neben die würzigen und bitteren Noten, die der Vereinigung von Hülsenfrucht und Ölsaat entspringen, noch ein Ofen- beziehungsweise Backton. Er bildet die Brücke zu der stattlichen Anzahl von Gemüsen, die ihrerseits deutliche Spuren der Zubereitungsmethode tragen. Im "Mazze Kanaan" (15 Euro) begegnen saftiger Fenchel, geröstetem Blumenkohl und Rote Bete sehr knusprigen Falafel-Kroketten und einem weichen, leicht süßlichen Bun, das die portugiesisch-griechische "Bekarei - The good Baking Company" in der nahen Dunckerstraße fabriziert.

Das gleiche Brötchen nimmt auch einen Kartoffelpuffer im Vegan Hummus Burger (10 Euro) auf, der ein Fleischpatty ganz achtbar vertritt. Mit Kurkuma gefärbter Cole Slaw sorgt für frische und ein Mus aus grüner Paprika und Petersilie ersetzt das Ketchup zu den ausgezeichneten Pommes frites. Die "Kanaan Hummshuka" kombiniert die charismatische Crème mit pochierten Ei auf herzhaftem Tomaten-Paprika-Püree und einem fluffigen Pitabrot. Die Variante mit gebratenen Champignons wirkt noch rustikaler, weil Kreuzkümmel und Zwiebel in den Vordergrund treten. 

Restaurant mit Sendung

Im Grunde handelt es sich bei dieser israelisch-palästinensischen Gründung, die die Verständigung der Parteien durch gemeinsame Produktion von Grundstoffen im nahen Osten, einen forcierten Markenaufbau und Filialen (eine davon im KaDeWe) befördern möchte, um ein originelles Tapas-Bistro, das zum Beispiel mit dem dicht gewobenen "Irakischen Hummus Sabich" mit gegrillter Aubergine und Mangodip über den Tellerrand hinausblickt. 

Dass die Saaltochter einen im Namen der Nachhaltigkeit ernsthaft ermahnt, das nächste Mal bereits bei der Aufgabe der Bestellung den Wunsch nach einer Bewirtungsquittung kundzutun, irritiert für einen Augenblick. Doch eine ins Moralisieren verpackte Aggression gehört wohl zu den Kinderkrankheiten von Restaurants mit Sendung. Gerade dann, wenn es bloß um einen Fetzen Thermopapier geht. 

Thomas Platt, kulturradio  

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